Rohingya Frau vor ihrem Zelt in Kutu Palong, Bangaldesch

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Hilfe für Rohingya e.V.

August 2017: Gegen die Rohingya, eine der meist verfolgten Minderheiten der Welt, wird seitens des burmesischen Militärs massive Gewalt angewandt. Über 900.000 Menschen sind seitdem vor Tötungen, Vergewaltigungen und Deportation geflohen. Wir sind nach Bangladesch gereist, um mehr über die Geschehnisse in Myanmar zu erfahren und haben dafür mit den Menschen gesprochen, die in den riesigen Geflüchtetencamps an der Grenze ausharren. Daraus ist der Dokumentarfilm Der Rauch hinter den Hügeln sowie der gemeinnützige Verein Hilfe für Rohingya e.V. entstanden.

Die Situation der Rohingya

Bei den Rohingya handelt es sich um eine staatenlose muslimische Volksgruppe. Ein überwiegender Teil der ihr zugehörigen Menschen lebt in Rahkine State, einem Bundesstaat im Südwesten Myanmars. Die ursprüngliche Herkunft der Rohingya betreffend teilen sich die Meinungen. Während die Rohingya selbst angeben, schon seit Jahrhunderten auf dem betreffenden Gebiet zu leben, benennt sie der Staat Myanmar als illegale Immigranten aus Bangladesch.

Mit Sicherheit lässt sich nur festhalten, dass während der britischen Kolonialherrschaft zahllose Muslime aus Pakistan und Indien nach Rakhine migrierten, wo ihnen von Großbritannien eigenes Land im Gegenzug für ihre Unterstützung in Konflikten mit angrenzenden Staaten zugesichert wurde. Nach dem Ende der Kolonialherrschaft 1948 wurden die Rohingya als Folge ihrer vorherigen Treue zu Großbritannien von der restlichen Bevölkerung Myanmars zunehmend ausgegrenzt und unterdrückt.

Unter dem im Jahr 1982 verabschiedeten Burma Citizenship Law werden die in Rakhine State lebenden Muslime nicht als offizielle Minderheit im Land anerkannt, da die meisten von ihnen nicht nachweisen können, bereits vor Beginn der britischen Kolonialherrschaft in Myanmar gelebt zu haben. Faktisch kam dies einem Entzug der Staatsbürgerschaft und aller damit verbundenen Rechte gleich. Hierzu gehören das Anrecht auf identitätsbestimmende Papiere, der Zugang zu Bildung und Gesundheitsversorgung und das Recht auf freie Fortbewegung.

In den folgenden Jahren häuften sich kleinere Ausschreitungen und Gewaltausbrüche als Folge der zunehmenden Ausgrenzung und Diskriminierung der Minderheit. Zuletzt kam es 2012 zu größeren bewaffneten Ausschreitungen zwischen der buddhistischen und der muslimischen Bevölkerung Rahkines, wobei 29 Menschen starben und mehr als 30.000 ihre Dörfer verlassen mussten. 

Aus diesem Konflikt ging die militante Widerstandsbewegung ARSA hervor, die am 25. August 2017 die Verantwortung für Angriffe auf Polizei- und Armeeposten der myanmarischen Regierung übernahm. Die Armee, unterstützt von der lokalen buddhistischen Bevölkerung, begann daraufhin mit einer groß angelegten militärischen Offensive gegen die Rohingya. In nur wenigen Tagen wurden flächendeckend komplette Siedlungen niedergebrannt, hunderttausende Menschen mussten ins Nachbarland Bangladesch fliehen, um sich vor den Angriffen in Sicherheit zu bringen.

Die gute Organisation und das Ausmaß der Militäroffensive ließen darauf schließen, dass sie in einem gewissen Maße bereits vor den Anschlägen der ARSA vorbereitet war. Bis Mitte August 2018 betrug die Zahl der Geflüchteten 725.000. Viele von ihnen erlitten schwere Verletzungen, darunter starke Verbrennungen und Schussverletzungen. Frauen wurden durch Angehörige des burmesischen Militärs vergewaltigt und mit Macheten verstümmelt. Betroffene berichten von gezielten Exekutionen und Tötungskommandos, die wahllos in die Dörfer einfielen und um sich schossen. Die Grenzen zu Bangladesch, die viele der fliehenden Menschen überquerten, wurden mit Landminen gesichert, um die Menschen an der Rückkehr zu hindern. Viele ertranken außerdem bei der Überquerung des Grenzflusses Naf. Es wird von mindestens 10.000 Getöteten ausgegangen.

Bangladesch gewährt den Rohingya Zuflucht nahe der Küstenstadt Cox’s Bazar. Auf einer früheren Waldfläche entstanden auf einer Fläche von 13 Quadratkilometern mehrere unorganisierte Camps. Unter notdürftig gespannten Zeltplanen leben die Menschen dort auf engstem Raum nebeneinander. Die lokale Bevölkerung hilft bereitwillig, stößt aber auf Grund der großen Anzahl der Geflüchteten schnell an ihre Kapazitätsgrenzen.

Vorherrschende Probleme sind sich ausbreitende Erkrankungen, die Instabilität der Zelte gegen den im Mai einsetzenden Monsunregen, Menschenhandel und Kinderarbeit. Die Versorgungslage wird zunehmend schlechter, da die internationale Aufmerksamkeit und damit die Spenden stark nachlassen. Ein langfristiges Zuhause sind die provisorischen Camps nicht, denn auch Bangladesch kämpft mit den Auswirkungen der vielen zusätzlichen Menschen. Sie dürfen nicht arbeiten oder die Camps verlassen.

Stattdessen begann die bengalische Regierung Ende 2019 damit, erste Menschen aus den Lagern auf eine unbewohnte Sumpfinsel vor der Küste Bangaldeschs abzuschieben.

Der Rauch hinter den Hügeln

Über die Entstehung des Dokumentarfilmes

Zu der Zeit, als der Genozid an den Rohingya seinen Lauf nahm, studierten wir in Bangkok. Als angehende Filmemacher fassten wir den Entschluss in die Geflüchtetenlager nach Bangaldesch zu reisen, um mit den Menschen dort zu sprechen und die Begegnungen in einem Dokumentarfilm zu verarbeiten. Einige jungen Bengalen, die wir auf früheren Reisen kennengelernt hatten, vermittelten uns an die lokale Hilfsorganisation Project Kombol in Dhaka. Deren Gründer Saif Mithu lud uns daraufhin ein, nach Bangaldesch zu kommen und unseren Film mit der Unterstützung seiner Organisation zu produzieren.  Noch heute sind wir überwältigt von der Gastfreundschaft, mit der wir dort aufgenommen wurden. Ohne diese Hilfe wären das Projekt gar nicht erst zustandegekommen.

Sieben Tage verbrachten wir in den Geflüchtetenlagern nahe der Grenze zu Myanmar. Wir wohnten in einem kleinen Hotel in Cox’s Bazar, einer nahegelegenen Stadt. Project Kombol machte uns mit einem jungen Mann namens Azim Siddiquee bekannt, der uns als Übersetzer zur Verfügung stehen sollte und am Ende ein Freund wurde. Zusätzlich hatten wir mit Mr. Joy einen ortskundigen Führer, der in den Camps die Interviews koordinierte und uns mit den Menschen zusammenbrachte. Pro Tag sprachen wir mit drei bis vier Menschen oder Familien, meist in deren Zelten.

Was wir dort hörten, hat uns seitdem nicht mehr verlassen. Sie berichteten von ihrer Flucht, ihrem früheren Leben und den Dingen, die ihnen passierten oder von denen sie Zeugen wurden. Fast jeder von ihnen hat Familienmitglieder verloren. Die Geflüchteten erzählten von Verletzungen, Vergewaltigung, Folter und Mord. Einige Menschen offenbarten uns Narben von Schuss- oder Stichwunden an Kopf und Brust. Die großen internationalen Hilfsorganisationen vor Ort sind überfordert, Verletzungen können kaum versorgt werden.

Mit erschreckender Deutlichkeit wurde uns klar: Nur wenige Kilometer entfernt findet in diesem Moment ein Genozid statt – und zum ersten Mal in unserem Leben haben wir auch verstanden, was dieses Wort bedeutet. Vor uns saßen Kinder, die, durch ihr Trauma völlig emotionslos, davon erzählten, wie ihre Eltern vor ihren Augen hingerichtet wurden. Eine alte Frau berichtete mit zitternder Stimme, wie das Militär kleine Kinder lebendig in brennende Häuser warf. Wir sahen Handyvideos von verkohlten Leichen und bei der Flucht ertrunkenen Babys. Diese Menschen waren real, sie waren nicht nur ein fremdes Gesicht oder eine Zahl in den Nachrichten. In unserem Film versuchen wir, dieses Gefühl zu vermitteln und den Menschen eine Stimme zu geben.

Zu sehen gibt es den Film im Moment nicht online. Wir haben uns dafür entschieden, da wir es für sinnvoller halten, ihn in Kombination mit einem Vortrag zu zeigen – so können wir direkt auf Fragen eingehen und weitere Hintergrundinformationen bereitstellen. Wenn Du Interesse hast, den Film in deiner Heimatstadt zu zeigen oder uns an lokale Kinobetreiber oder sonstige Einrichtungen vermitteln willst, melde dich gerne bei uns!

 

Der Verein

Wie aus einem Filmprojekt ein Verein wurde

Ursprünglich gegründet, um die Finanzierung des Dokumentarfilms zu ermöglichen, hat der Verein Hilfe für Rohingya e.V. sich inzwischen als davon unabhängiges Hilfsprojekt für die Geflüchtetenlager in Bangaldesch etabliert. Als kleiner Verein, der kaum laufende Kosten mit sich bringt, können wir Spenden zu nahezu 100% an Project Kombol in Bangladesch weitergeben, mit dem wir immer noch Hand in Hand arbeiten. Bei der Spendensammlung von anderen Vereinen wie dem Wir wollen helfen e.V. oder dem Soroptimist International e.V. sowie Privatpersonen und Firmen unterstützt.

Das Geld kommt dabei immer projektgebunden zum Einsatz. Mit den bisherigen Spenden konnten wir bereits zwei solarbetriebene Wasserpumpe in den Camps finanzieren, wodurch nun mehr als 4000 Familien Zugang zu sauberem Trinkwasser haben. Da nun die nächsten 10.000 € zusammen sind, haben wir mit Project Kombol ein neues Projekt ins Auge gefasst: In den Camps gibt es einige Organisationen, die geflüchtete Frauen medizinische Hilfe bieten. Hierbei geht es insbesondere um Folgen sexueller Gewalt sowie Probleme im Zusammenhang mit Geburt und Menstruation. Der Bevölkerungsfonds der Vereinten Nationen (UNFPA) baute inzwischen 18 „Safe-Spaces“ in den Camps. Wir planen nun, Frauen mit einem Kit auszustatten, in welchem sie grundlegende Hilfsmittel wie Seife, wiederverwendbare Binden, Schmerzmittel und eine Pfeife für den Notfall bekommen. Zudem finanzieren wir Workshops, in denen Frauen zum Verhalten in Notfällen geschult werden.

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Hier kannst Du einfach den Mitgliedsantrag herunterladen und ausgefüllt per Mail an info@hilfefuerrohingya.de schicken. Alternativ natürlich auch gerne per Post. Unsere Adresse findest du am Ende der Seite unter der Rubrik Kontakt.

Über die Initiator*innen

Theresa Berg und Jonas Niesmann lernten sich in Bangkok während ihres Studiums kennen. Die beiden verbindet ihre Begeisterung für Film und Fotografie, ihr ständiges Reisefieber und ihr Wunsch, etwas zu verändern. Weil eher chaotisch veranlagt, freut es beide umso mehr, seit 2018 mit Sophia Berg eine dritte Vereinsleitung mit im Boot zu haben, die durch ihre kreative, motivierte und zuverlässige Art nicht mehr wegzudenken ist.

Galerie

Hier findest Du einige Bilder, die in Begleitung zum Dokumentarfilm „Der Rauch hinter den Hügeln“ entstanden sind

Kontakt

Wenn du Interesse an unserer Arbeit hast, den Film in deiner Einrichtung zeigen willst oder sonst irgendein Anliegen an uns hast – zögere bitte nicht, uns eine Nachricht zu schreiben! Wir freuen uns!

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